rhoio

Sprachkritik

Der geschätzte Herr Buddenbohm führte mich gerade zu einem Artikel der FAZ, ein vorgeblich kritischer Text, der leider mal wieder ein Paradebeispiel für schlampige Journalistensprache abgibt. Zitat:

Ein Jahr zuvor war es bei Demonstrationen von Textilarbeitern in Kambodscha zu Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Drei Arbeiter starben, als die Polizeikräfte das Feuer eröffneten.

„Feuer eröffnen“ – welch schöne Floskel. Und zeitgleich sind drei Arbeiter gestorben. Einfach so. Ja, woran starben sie denn, fragt sich da die Leserin? Schreiben wir doch lieber, was Sache ist:

Ein Jahr zuvor war es bei Demonstrationen von Textilarbeitern in Kambodscha zu Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Polizisten erschossen drei Arbeiter.

Einwände? Einer könnte ja doch an einem verschluckten Hustenbonbon erstickt sein und das müsse man doch erstmal recherchieren und dafür sei im Redaktionsalltag keine Zeit und deshalb lieber so eine sichere Floskel verwenden, die keine klaren Täter ausweist? Wenn ihr kurz recherchiert hättet, liebe FAZ, dann hättet ihr sogar erfahren, dass es nicht drei, sondern fünf Arbeiter waren [*].

McSweeneys AN INTERACTIVE GUIDE TO AMBIGUOUS GRAMMAR sollte Pflichtlektüre für jeden Journalisten sein.

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Widerstand im Kleinen…

Frau Herzbruch ist im Düsseldorfer Kaufhof neulich auf ein Schild gestossen. Besagtes Schild ist offenbar nicht der Ignoranz eines einzelnen Filialleiters geschuldet, sondern konzernweit so vorgegeben. Ich bin im Herbst, bevor das Foto durchs Netz gegangen ist, schon in einer anderen Stadt darauf gestoßen: Über der Gasse mit den Spielzeugbügeleisen, Spielzeugwaschmaschinen, Spielzeugstaubsaugern, Spielzeugputzwägelchen prangte es: „Wie Mutti“. In dem Moment war ich zu geschockt und sprachlos, um irgendwie zu reagieren.

Neulich hatte ich dann gerade ein wenig Zeit und bin ins oberste Stockwerk spaziert (wieso werden die Kindersachen in Kaufhäusern eigentlich immer in die entlegensten, mit Kinderwagen am schlechtesten erreichbaren Ecken verbannt?) und habe besagtes Schild aus seiner Halterung gezogen und einfach umgedreht.

Jetzt ist die spannende Frage: Wie oft muss man das Schild umdrehen, bis die Firma Kaufhof etwas merkt? Ein paar begeisterte Mitstreiter und Mitstreiterinnen, die mitumdrehen wollen, habe ich schon gefunden.

Den Pentabug programmieren

Neulich habe ich, als mein zweites größeres Lötprojekt, einen Pentabug zusammengelötet. Nachdem zwar der Zusammenbau wunderbar mit einem Video dokumentiert ist, aber nur recht spärlich beschrieben ist, wie man das possierliche Elektroniktierchen nachher programmiert, gibt es hier eine kleine Anleitung für Linux.

Man benötigt: einen ISP-Programmer (wir haben diesen hier verwendet) mit einem 6-poligen Anschluß.

Die Software avrdude zum Flashen des Mikrocontrollers. Diese installiert ihr unter Debian/Ubuntu etc. im Terminal mit

sudo apt-get install avrdude

Die Pentabug-Software. Diese könnt ihr auf Github als Zip-File herunterladen, bequemer geht es aber, wenn man die Versionsverwaltung git installiert hat (sudo apt-get install git). Wechselt dazu im Terminal mit cd Verzeichnis in das Verzeichnis, in dem ihr die Software haben wollt. Mit dem Befehl

git clone https://github.com/c3d2/pentabug.git

legt Git ein Verzeichnis pentabug an und lädt den kompletten Inhalt des Repositories herunter. Dort liegen dann mehrere Verzeichnisse. Zum Programmieren interessiert uns eigentlich nur das Verzeichnis firmware. Mit dem Befehl ls liste ich den Inhalt auf:

ls firmware/
rhoio:~/projects/pentabug$ apps  doc  include  lib  main.c  main.lst  main.o  Makefile pentabug.elf  pentabug.hex  README.md

Das Verzeichnis apps enthält Beispiel-Programme. main.c ist das Hauptprogramm. include enthält die Header-Dateien für die Library-Funktionen, deren kompletten Programm-Code ihr in lib findet.

Im nächsten Schritt muss man den avr-dude-Aufruf im Makefile für den verwendeten ISP-Programmer anpassen. Eine schöne Erklärung der ganzen avrdude-Parameter findet sich auf LadyAda. Wir haben dazu unten vor der Zeile flash: noch ergänzt:

isp: $(PROJECT).hex Makefile
        $(AVRDUDE) -p m88 -F -c stk500v2 -P /dev/ttyACM0 -B 1 -U flash:w:$(PROJECT).hex

m88 ist das Kürzel für ATMEGA88, den Mikrokontroller des Pentabugs, stk500v2 ist das Übertragungsprotokoll und /dev/ttyACM0 das Device, an dem der Programmer hängt (zum Rausfinden anstecken und in die System-Logfiles gucken).

Bei unserem ISP-Programmer kann man Stromversorgung für angeschlossene Geräte an- und abschalten, wir haben das abgeschaltet und den Pentabug mit eingelegten Batterien an den Programmer gehängt (so muss man den Jumper nicht umstecken).

Der Aufruf make isp im Verzeichnis firmware kompiliert Hauptprogramm und die in der Zeile APPS = aufgelisteten Beispielapps und überträgt das Kompilat als .hex-Datei auf den Pentabug.

Ein längerer Tastendruck schaltet den Pentabug jetzt von einem Beispielprogramm zum nächsten. Und wer sich an „Alle meine Entchen“ sattgehört hat, kann ja gleich mal ein anderes Lied einprogrammieren…

Fuck off, bro!

Eigentlich wollte ich mein shiny new blog nicht gleich mit Rants zupflastern, aber diese Geschichte ärgert mich dann schon. Vorgestern stieß ich auf ein geniales neues Projekt, bei dem ich eigentlich wirklich Lust gehabt hätte, mitzumachen.

Hintergrund ist eine Erfahrung, die jede, die mit der Shell arbeitet, wahrscheinlich schon gemacht hat: Die zugehörige Manpage erklärt in einer Riesenliste sorgfältig alle möglichen Optionen und Parameter, mit denen man das Kommando aufrufen kann, in Wirklichkeit würde man aber viel lieber wissen, mit welchen Parametern man es sinnvoll in der Praxis aufruft.

Ein Beispiel: Das Kommando ps zeigt laufende Prozesse. Leider erhalte ich, wenn ich es ohne Parameter aufrufe, nur folgenden Output:

  PID TTY           TIME CMD
  394 ttys000    0:00.03 -bash

Erst mit dem Aufruf ps -aux erhalte ich eine sinnvolle Ausgabe, nämlich _alle_ laufenden Prozesse.

Hier setzt dieses Projekt an: es liefert ein Shell-Kommando, mit dem man sich in der Praxis relevante Aufrufarten eines Kommandos mit Erkärung anzeigen lassen kann oder ganz einfach selbst solche Erklärungen zu einer zentralen Sammlung beisteuern kann.

Tja, schöne Idee, wenn da nicht der Name wäre: Bropages. Im englischen Sprachraum ist „Broculture“ der Ausdruck für eine Frauen ausschließende Kultur der Tech-Szene. Dass der Programmierer den Namen nicht unwissentlich gewählt hat, zeigen seine Reaktionen auf Verbesserungsvorschläge auf Github „A new name?“ und „Allow bro to be executed using the `sis` command.“ Beide Issues hat er innerhalb kürzester Zeit mit WONTFIX geschlossen.

Auf der positiven Seite: Selbst auf der sonst nicht grade durch übermäßig feministisches Engagement auffallenden Site Hackernews bekommt er deswegen sein Fett weg.

In diesem Sinne:

kill -9 bro

Update 3. März

Inzwischen bin ich auf eine Alternative zu dem Programm mit einem wesentlich netteren Namen gestossen: tldr.

Muschelkette

Ganz ähnlich wie die Taschenlampe kann man sich auch attraktiven, leuchtenden Halsschmuck basteln. Benötigt werden:

  • 1 mittelgroße weiße Muschel
  • 1 weiße 5mm LED
  • 1 22 Ohm Widerstand
  • 1 3V Lithium-Knopfzelle
  • 1 Stückchen weiße Pappe
  • 1 schwarzes Lederband

Außerdem Lötkolben, Lötzinn, eine Heißklebepistole und das obligatorische Duct Tape.

Zuerst schneidet man den Pappkarton so zu, dass er sich in die Muschel legen lässt und noch ein bißchen Platz für die Batterie nachher bleibt. Mit einer Nagelschere, Teppichmesser o.Ä. bohrt man zwei Löcher durch die Pappe und steckt die LED hindurch. An das eine Beinchen lötet man den Widerstand und biegt ihn passend hin, dass er nicht im Weg ist. Überstehenden Draht des LED-Beinchens abzwicken.

Die Pappe mit der LED in die Muschel legen und mit Heißkleber die Pappe rundum festkleben. Das Lederband ebenfalls festkleben. Ein Tropfen Heißkleber auf die Lötstelle und den Widerstand, damit der nicht rumwackelt kann auch nicht schaden.

Die Knopfzelle legt man auf die Pappe über das eine Drahtstück (Polung beachten! kurzes Beinchen der LED an Minus, langes an Plus!). Wenn das andere Drahtende die Oberseite der Knopfzelle berührt, leuchtet die Muschel!
Ein Streifen Duct Tape darüber und fertig ist die Halskette. Die Rückseite sieht nicht besonders schön aus, aber das sieht ja keiner 🙂

Die Vorderseite dagegen umso eleganter:
anhänger

Taschenlampe

Neben einem Taschenmesser gehört eine Taschenlampe zum wichtigsten Besitz von Kind 1. Eine Taschenlampe kann man kaufen, man kann sie aber auch ganz einfach selbst bauen. In der allereinfachsten Form braucht man dazu:

  • 1 weiße LED
  • 1 passenden Widerstand
  • 1 Batterieclip
  • 1 9V-Block

Außerdem noch Abisolierzange, Lötzinn und Lötkolben und das obligatorische Duct Tape.

Das lange Beinchen der LED und des Widerstand ein bißchen miteinander verzwirbeln und an der Zwirbelstelle zusammenlöten. Mit der Abisolierzange etwa 5mm der Plastikumhüllung der Anschlußkabel des Batterieclips entfernen (wer keine Abisolierzange besitzt, kann das auch elegant mit den Zähnen machen). Anschließend das freie Ende des Widerstands mit dem einen und das freie Beinchen der LED mit dem anderen Anschlußkabel verzwirbeln und zusammenlöten. Hierbei muss man auf die Polung aufpassen: das kurze Beinchen der LED (an dieser Seite ist auch der Kopf etwas abgeflacht) gehört an das Minus-Kabel des Clips, der Widerstand an den Plus-Pol.

Zuletzt noch überstehende Drähte mit einer Zange abzwicken und den Teil, wo die Drähte und Lötstellen freiliegen, mit einem Stück Duct Tape umwickeln: Idealerweise erstmal den einen Draht vollständig umwickeln und dann den zweiten mit einkleben. Die Drähte dürfen sich nachher nicht berühren, sonst gibt es einen Kurzschluß!

Batterieclip an einen 9V-Block stecken und schon leuchtet die selbstgebaute Taschenlampe. Zum Abschalten einfach den Batterieclip abziehen.

Kind 2 hat natürlich gleich herausgefunden, dass man ganz wunderbare Leuchtkreise zaubern kann, wenn man mit dem Batterieblock herumwedelt und die LED am Kabel kreisen lässt. Außerdem will es jetzt auch eine eigene Taschenlampe.

taschenlampe

Pentabug

Der Pentabug vom Chaos Computer Club Dresden ist etwas für ältere Kinder. Jüngere können mit dem fertigen Tierchen durchaus auch Spass haben, aber da müssen dann Mama oder Papa löten.

Der Zusammenbau ging nach Beipackzettel problemlos. Beigefügte Batterien eingelegt, eingeschaltet, und dann erstmal: Nix. Schließlich fiel mir der kleine Jumper auf, der nicht in der Anleitung erwähnt war, den man aber noch aufstecken muss, damit der Bug funktioniert (aktualisierter Anleitungsflyer hier). Leider bringt das aufgeflashte Defaultprogramm die schönste Eigenschaft des Pentabug nicht zur Geltung: Der Vibrationsmotor bewegt sich nur solange man den rechten Taster gedrückt hält. Der Käfer krabbelt also erstmal nicht eigenständig über den Tisch. Das ist natürlich ein prima Anreiz, sich mit der Programmierung des Pentabug zu beschäftigen, für uns war an dieser Stelle erstmal Warten angesagt, bis der Postbote den bestellten ISP-Programmer gebracht hatte.

Sobald der da war, ging es nach ein paar Tagen weiter: Die mitgelieferten Beispiel-Apps lassen sich auch ohne viel C-Kenntnisse gut modifizieren. Man kann die zwei grünen Leuchtdioden blinken, den Summer kleine Melodien spielen und mit dem Vibrationsmotor den Käfer über den Tisch krabbeln lassen. Steuern lässt sich der Pentaub über den Lauschmodus des Summers, der auf laute Geräusche reagiert, den eingebauten Infrarot-Empfänger oder einfach die zwei Taster. Für Kinder, die sich eigenständig ohne Programmierwissen am Pentabug versuchen, ist es allerdings schade, dass keinerlei Einsteigerdokumentation mitgeliefert wird. Um eine Übersicht über die Library-Funktionen zu bekommen, muss man sich durch den Quellcode wühlen, der ebenfalls anfängerfreundlicher kommentiert sein könnte.

Im Makefile mussten wir für unseren ISP-Programmer das Device anpassen, dann lief der Bug mit dem ersten Testprogramm: Auf ein lautes Geräusch hin schaltet sich der Motor ein und der Bug bewegt sich damit über den Tisch. Kind 2 fand schnell heraus, dass der Bug am besten reagiert, wenn man mit einer Brio-Eisenbahnschiene knapp neben dem Bug auf den Tisch haut. Um Bug, Tisch und Brio-Schienen zu schonen, schnell neue Software aufgespielt, die auf Tasterdruck den Motor anschaltet. Das fand Kind 2 nun wiederum höchst irritierend und schlug weiter mit Schienen auf den Tisch. Merke: Mikrokontroller lassen sich leichter umprogrammieren als Zweijährige.

Fazit: Wir hatten großen Spass mit dem Tierchen, Kind 2 ist begeistert davon. Kind 1 fand ihn auch ganz nett. Der zweite Bausatz, den ich vom 30C3 mitgenommen habe, wird erstmal noch ein paar Jahre in der Elektronik-Kiste verschwinden, bis die Kinder alt genug sind, ihn selbst zusammenzulöten. Mit Pentabug Nr. 1 haben wir hingegen in nächster Zeit noch einiges vor…

Wer auch so einen Käfer will, wende sich an den Chaos Computer Club Dresden. Regelmäßig finden auch auf Konferenzen Workshops statt, bei denen Kinder den Bug unter Anleitung zusammenlöten können.

pentabug

Klackerlaken!

„Klackerlaken bauen“ hieß der Workshop auf dem 30C3, bei dem es mich am meisten reute, ihn wortwörtlich verschlafen zu haben – er war zur höllisch frühen Uhrzeit 10 Uhr vormittags angesetzt. Aber zum Glück findet man auf der Website der Erfinderin eine gute Video-Dokumentation. Jedenfalls war klar: Das mussten wir unbedingt ausprobieren. Da niemand sein altes Handy zum Ausschlachten des Vibrationsmotors rausrücken wollte, haben wir schließlich ein Tütchen Vibrations-Motoren für 1 Euro das Stück bestellt. Sobald die Motoren da waren, konnte es losgehen mit der Klackerlaken-Bastelei am Küchentisch.

Man benötigt:

  • Flaschendeckel
  • 3V Lithium-Knopfzelle (ca. 30 cent)
  • 1 Leuchtdiode
  • 1 passender Widerstand (10 oder 15 Ohm)
  • 1 Handy-Vibrationsmotor (ca. 1 Euro)
  • nach Belieben Material zum Verzieren: Bunte Tabaksreiniger als Fühler, bewegliche kleine Augen, kleine Glöckchen…

Die Leuchtdiode ist eher Zier, wer keine zur Hand hat, kann sie auch weglassen (mitsamt dem Widerstand).
Da die Pins des Motors reichlich kurz zum Basteln waren, haben die Erwachsenen ein paar Drähte dran gelötet. Ebenso haben sie die Leuchtdiode mit dem Widerstand zusammengelötet. Ab da übernahmen dann die Kinder: Mit Duct-Tape (im Original wird durchsichtiger Tesafilm verwendet) befestigten sie LED (Achtung: kurzes Beinchen immer an Minus-, langes Beinchen an Plus-Pol) und Motor an der Batterie und klebten das Ganze mit einem weiteren Streifen Duct-Tape auf einen Flaschendeckel. Und schon wackelten die kleinen Käfer über den Tisch!

Zum Abschalten löste man einfach das Duct Tape ein bißchen vom Deckel und unterbricht so den Stromkreis. So schön wie die auf der Website sind unsere nicht geworden, deshalb gibt es hier auch kein Foto, aber es war ein Heidenspaß!

Geeignet für Kinder zum selberbasteln ab 5. Zum einfach Spaß haben damit ab 2. Die Klackerlaken sind so schnell zusammengebaut und mit weniger als 2 Euro pro Exemplar so billig, dass sie sich übrigens auch prima für Kindergeburtstage eignen.