Sprachkritik

von rhoio

Der geschätzte Herr Buddenbohm führte mich gerade zu einem Artikel der FAZ, ein vorgeblich kritischer Text, der leider mal wieder ein Paradebeispiel für schlampige Journalistensprache abgibt. Zitat:

Ein Jahr zuvor war es bei Demonstrationen von Textilarbeitern in Kambodscha zu Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Drei Arbeiter starben, als die Polizeikräfte das Feuer eröffneten.

„Feuer eröffnen“ – welch schöne Floskel. Und zeitgleich sind drei Arbeiter gestorben. Einfach so. Ja, woran starben sie denn, fragt sich da die Leserin? Schreiben wir doch lieber, was Sache ist:

Ein Jahr zuvor war es bei Demonstrationen von Textilarbeitern in Kambodscha zu Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Polizisten erschossen drei Arbeiter.

Einwände? Einer könnte ja doch an einem verschluckten Hustenbonbon erstickt sein und das müsse man doch erstmal recherchieren und dafür sei im Redaktionsalltag keine Zeit und deshalb lieber so eine sichere Floskel verwenden, die keine klaren Täter ausweist? Wenn ihr kurz recherchiert hättet, liebe FAZ, dann hättet ihr sogar erfahren, dass es nicht drei, sondern fünf Arbeiter waren [*].

McSweeneys AN INTERACTIVE GUIDE TO AMBIGUOUS GRAMMAR sollte Pflichtlektüre für jeden Journalisten sein.

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